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Wissenswertes über Schnecken
Das Wichtigste in Kürze Die am längsten und noch heute lebende
Art von Lebewesen ist Neopilina galatheae,
eine im tiefen Meer lebende Schnecke, von der man geglaubt hatte sie sei
schon seit 320 Millionen Jahren (!!!) ausgestorben. Sie wurde aber 1952 in
einer Tiefe von 3475 m bei Costa Rica vom dänischen Schiff Galathea
lebend gefunden. Diese Schnecke ist somit ein lebendes Fossil.
Eine kleine Einführung in die Malakologie (Weichtierkunde) von Helmut Nisters Malakologie leitet sich vom Griechischen "malakos" (= weich) ab und bedeutet daher die Lehre von den Weichtieren (Schnecken, Muscheln, Kahnfüßer, Kopffüßer usw.). Weltweit gibt es ungefähr 120 000 verschiedene Arten, im Tirol leben knapp über 200 Landschnecken und Süßwassermollusken (ein Sammelbegriff für Schnecken und Muscheln). Die Namen sind alle in lateinischer Sprache, damit Wissenschafter und Sammler weltweit das gleiche Tier meinen. Oder glaubt Ihr, ein Amerikaner, Russe oder Japaner könnte etwas mit deutschen Namen anfangen, wie zum Beispiel „Steinpicker“ ? Die umfangreichsten Familien der in Europa vorkommenden
Schnecken bilden die Vertreter der Heide- Laub- und Schnirkelschnecken (Familie
Hygromiidae und Helicidae), sowie Schließmundschnecken (Clausiliidae),
wobei die letzteren von den übrigen Familien besonders deutlich zu unterscheiden
sind. Die Gehäuse sind spindel- und keulenförmig, mit zuspitzendem
Gewinde aus mehreren Umgängen, die gerippt oder glatt sein können.
Im Inneren der Mündung befinden sich unterschiedlich viele Kalkfalten
und -zähnchen, die ebenso wie die Rippung bei der Bestimmung eine wesentliche
Rolle spielen. Wohl noch größere Unterschiede von Größe,
Form und Färbung weist die Familie der Heide- und Schnirkelschnecken
auf, da deren Arten unterschiedlichste Lebensräume bewohnen. Das Größenspektrum der einzelnen Familien von Süßwasserschnecken ist erheblich, wie z. B. bei der Familie Planorbidae (Tellerschnecken, Posthornschnecken), wobei sicherlich die auffälligste und bekannteste Planorbarius corneus (Linnaeus, 1758) (Posthornschnecke) auch gleichzeitig die größte ist. Bei den Landschnecken gibt es linksgewundene Arten (z.B. bei den Clausiliidae), doch sind die meisten Arten rechtsgewunden, wie die Helicidae; trotzdem kann man als Besonderheiten verkehrtgewundene Exemplare finden. Die Schneckendiät Die meisten Schnecken ernähren sich von Pflanzen, also von vermoderndem Pflanzenmaterial, Flechten, Pilzen, Blüten, Früchten und Knollen. Deshalb lassen sich Schnecken in Gefangenschaft leicht mit Salat, Gurken-, Karotten- oder Kartoffelscheiben, ja selbst mit kalkangereichertem Mehlpapp füttern. Für einige Arten eignen sich besonders Flechten, die mit Kalk angereichert werden. Einige Arten fressen Aas, während andere Arten aus den Familien Zonitidae und Vitrinidae räuberisch von anderen Schnecken etc. leben. Die Lebensräume von Mollusken Wenn man nun eine Sammlung vor sich sieht, fragt man sich nach den Lebensräumen von Schnecken und Muscheln, sowie nach den Sammelmethoden, die man am besten anwendet. Im allgemeinen kann man Schnecken fast überall finden, wenn man geeignete Lebensräume kennt. Viele Schnecken lieben feuchte und schattigere Standorte, andere haben sich auch auf trockene und sonnige Lebensräume spezialisiert. Wiesen und besonders Trockenhänge
mit kalkhaltigen Böden, wo vornehmlich Arten leben, die gegenüber
Trockenheit und Temperaturen sehr tolerant sind (wie Helicella-Arten oder
Zebrina detrita - Märzenschnecke, Große Vielfraßschnecke),
da sie oft starker Sonnenstrahlung ausgesetzt sind. Das Gehäuse ist
nicht nur zum Schutz gegen Feinde vorhanden, sondern dient in erster Linie
zur Regulierung der Feuchtigkeit und schützt vor dem Austrocknen. Solche
Trocken- und Wiesengesellschaften werden immer öfters zusammen mit Feuchtbiotopen
und Laubwäldern als schutzwürdige Lebensräume der Roten-Listen-Arten
genannt. Rote Listen sind Aufzählungen von schützenswerten und
gefährdeten Tieren oder Besonders artenreich sind Waldgebiete, wobei Misch- und Laubwäldern, aber auch Auwäldern, der Vorzug gegeben werden muß. Man findet Schnecken besonders in Pflanzenmulm, unter Laubschichten, Steinen und Altholz (hier auch kleine Arten der Genera Carychium, Euconulus etc.), an Pflanzen, wie krautigen Beständen (meist unter deren Blättern und an Stengeln, sowie am Boden), am Grund von Gräsern und an Baumstämmen. Nadelwälder hingegen sind oft artenarm. Waldgebiete verfügen meist über ein feuchtes und ausgeglichenes Klima mit unterschiedlichen Nahrungsquellen und Rückzugsgebieten, die für Schnecken von großer Bedeutung sind. Sehr günstig erweisen sich Gebiete mit Schluchten, Klammen und Felsen sowie Geröllhalden, besonders aus Kalk, wo es dann auch viele Versteckmöglichkeiten wie Felsspalten und Ritzen gibt, in die sich die Tiere gerne zurückziehen und erst bei Feuchtigkeit oder in der Dämmerung herauskommen. Solche Möglichkeiten bieten auch Trockenmauern und Ruinen. Leider werden in letzter Zeit solche Mauern immer mehr zuzementiert, was einen starken Artenrückgang zur Folge hat. Sehr viele kleine Arten leben im Mulm, im Laub und in lockerer Erde, die sich auf Felsvorsprüngen und Felsstufen ansammelt, einige Arten direkt auf Felsen (wie Felsenschnecken aus der Familie Helicidae und Vertreter aus anderen Familien, wie die Kornschnecken (Chondrinidae)). Dazu lebt hier noch die häufig vorkommende Felsen-Pyramidenschnecke (Pyramidula pusilla (Vallot, 1801)), die etwa so klein ist wie ein Stecknadelknopf und auch in kleinen Gruppen auftritt. Die Arten, die an Felsen leben, sind gegen Trockenheit sehr tolerant und in Nahrungsansprüchen sehr genügsam. An Wald- und Wiesenbiotope schließen sich oft Hecken und Buschwerk an, die ebenfalls gute Rückzugsgebiete für Schnecken bieten. Auch kommen Schnecken bis in höhere Gipfelregionen, noch über der Baumgrenze, wie z. B. auf Almböden unter Steinen vor. Dazu zählen vor allem einige dünnschalige Glasschnecken (Vitrinidae) und Windelschnecken (Vertiginidae). Feuchtbiotope, wie besonders Moore, sind meist kalkärmer und weisen eine andere Fauna auf. Solche Gebiete sind - was Schnecken betrifft - artenärmer, und es finden sich hier meist dünnschaligere Arten (Bernsteinschnecken - Succineidae; Glänzende Dolchschnecke - Zonitoides nitidus, usw.). In Ufer- und Verlandungszonen von stehenden und fließenden Gewässern kann man Ansammlungen von leeren Gehäusen von Land- und Süßwasserarten finden, die wir Geniste nennen. Wasserschnecken und Muscheln findet man in den kleinsten Wiesentümpeln und Wasserlachen, sowie in den großen Seen, in Zonen ruhigen Wassers, in der Brandungszone und in schnell fließenden Gewässern. Die Größe des Lebensraumes spielt für Mollusken eine untergeordnete Rolle aber größere Gewässer sind stets artenreicher als kleine Teiche oder Tümpel, da letztere nicht immer von langer Lebensdauer sind. An einen bestimmten Untergrund sind nur wenige Arten gebunden, doch erweist sich ein Schlammboden als günstig, da er reichlich Nahrung für die Schnecken und filtrierende Muscheln bietet. Wasserschnecken und Muscheln sind meist ein guter Indikator für die Qualität des Wassers, obwohl es immer Arten gibt, die gegenüber Verschmutzungen sehr tolerant sind, so z. B. die Gemeine Schlammschnecke oder Radix peregra (O. F. Müller, 1774) aus der Familie der Schlammschnecken (Lymnaeidae) und die Kugelmuschel oder Sphaerium corneum (Linnaeus, 1758) aus der Familie der Kugel- und Erbsenmuscheln (Sphaeriidae). Das Bekämpfen von Schnecken im Garten Nur wenige Arten, besonders zwei oder drei Nacktschnecken-Arten, schädigen die Gärten und greifen Kulturpflanzen an. Man sollte Nacktschnecken niemals mit Salz, Schneckenkörnern oder anderen Giften bekämpfen, da dadurch auch nützliche Tiere, wie Vögel, Igel, Regenwürmer - teils unbewußt und gedankenlos - geschädigt werden. Da die Nacktschnecken nachtaktiv sind und bei Dunkelheit von ihren Verstecken zu den Beeten hin - und zurückwandern (tagsüber bleiben sie kaum in ihrem Betätigungsfeld), könnte man diese abends einsammeln und die Bepflanzung von Blumen, Gemüsen oder Salat weiter auseinanderziehen und diese dann punktgenau gießen, sodaß immer wieder trockene Stellen dazwischenliegen. Man bräuchte auch nicht immer streng geordnete Gärten, und vielleicht lassen sich auch kleinere Teiche oder schmale Wassergräben um die Beete anlegen. Viele Leute versuchen ihr Glück auch mit vollen Bierbechern. Die „humanste“ Methode ist aber das Einsammeln der Tiere, um sie hernach in kochendem Wasser abzutöten. Schnecken sammeln und archivieren Wenn man nun alle Faktoren, die hier zusammenspielen, kennt, fällt das Sammeln nicht besonders schwer, obwohl man immer wieder Ausdauer beweisen und sich oftmals nur in gebückter Haltung oder kriechend mit dem Auge nahe der Oberfläche fortbewegen muß. Größere Arten kann man leicht finden: man muß des öfteren im Mulm wühlen und Steine umdrehen, die man dann wieder in ihre ursprüngliche Lage zurückversetzen sollte. Pinzetten oder sonstige Wühlhilfen können vor unliebsamen Überraschungen (z. B. Schlangen) schützen. Für die kleineren und kleinsten Arten (ab ca. 1 mm ) sollte man Gesiebe (d. h. Erde, Mulm, etc.) mitnehmen, daheim mit verschiedenen Maschengrößen von grob bis fein durchsieben und in kleineren Portionen aussuchen. Dies geschieht dann mit Hilfe einer Lupe und mit dem Mikroskop. Die Schnecken können mit einer Pinzette, einem feinen Pinsel oder mit befeuchtetem Zeigefinger (Methode meiner Mutter) aus den vorbereiteten Einheiten entnommen werden. Bei Etiketten oder Beigabezettel, auf denen Fundort und Sammeldaten vermerkt sein sollten, wäre es ratsam, daß diese an den Sammelbüchsen außen angebracht oder klein gefaltet in Silberstaniol eingeschlagen werden, wenn man sie den Schnecken beigibt. Sonst kann man schlimme Überraschungen erleben, weil die niedlichen Tierchen sie aufgefressen haben. Lebend gesammelte größere Schnecken tötet man im kochenden Wasser ab und zieht das Tier dann mit Hilfe einer Nadel heraus. Danach sollte man das Gehäuse mit einem dünnen Wasserstrahl ausspülen. Winzige Arten kann man zunächst in Alkohol geben und sie hernach eintrocknen lassen. Ähnliches gilt auch für die Clausilien. Sobald sich die Clausilien zurückgezogen haben (wenn man sie einige Tage in einer Pappschachtel oder Plastikdose trocken stehen läßt), kann man sie im kochenden Wasser abtöten, dann in Alkohol überführen und nach etwa zwei Tagen trockenlegen. Bei sehr dünnschaligen Arten, wie bei einigen Vitrinidae, sollte man sehr vorsichtig verfahren, da sonst die Gehäuse beschädigt werden könnten. Am besten läßt man diese in abgestandenem oder abgekochtem, sauerstofffreiem Wasser ausfaulen. Für manch strittige Art empfiehlt es sich, die Weichkörper zur näheren Untersuchung in Alkohol aufzubewahren. Trotzdem sollte man nie - wo es nicht immer auf hervorragende Qualität ankommt, wie in vielen Belegsammlungen - auf Totfunde verzichten. Das schützt vor allem nicht nur die Tiere und deren Population, sondern auch zartbesaitete Menschen, besonders Kinder, die nicht gerne Tiere umbringen. Wenn nun die Schnecken auf die verschiedenen Weisen aufgearbeitet sind, können sie in verschiedenen Behältern aufbewahrt werden: in Glasröhrchen, Pappschachteln, Zündholzschachteln. In der naturwissenschaftlichen Abteilung des Tiroler Landesmuseum's Ferdinandeum und in unserer Privatsammlung, sowie im Museum für Naturkunde in Bozen, sowie Schulsammlungen in Nord- und Südtirol habe ich mich für ein Baukastensystem mit glasklaren Plastikschachteln entschieden, da die Schnecken dort am besten betrachtet und studiert werden können. Sehr kleine, wie auch zerbrechliche und seltene Arten kommen zunächst noch zusätzlich in ein Glasröhrchen. Die Schnecken müssen stets trocken und relativ luftdicht aufbewahrt werden. In den Schachteln befinden sich eventuell auch Etiketten mit Angabe der Familie, des Genus und der Art, des Autors sowie des Fundortes und eventuell des Sammlers. Daneben werden die von mir betreuten Sammlungen weiter ausgebaut, EDV-mäßig erfaßt mit der Zielsetzung einer umfangreichen Datenbank des Alpengebietes, sodaß man jederzeit auf Informationen Zugriff erhält und Erfahrungen austauschen kann. Etiketten, Protokolle oder Datenbanken sollten mindestens
folgende Felder umfassen: Der Autor Einige Zeilen zum Autor dieses Artikels: Ich wurde am 13. Juli 1953 in Innsbruck geboren als Sohn von Prof. Gisbert Nisters, Professor für Biologie und Warenkunde an der Handelsakademie in Innsbruck und Dr. Irmgard Nisters, geboren 18. August 1911, ehemals Juristin, und begann meine „Karriere“ als Schneckensammler noch im zarten Kindesalter von 7 Jahren, als ich mit meinen Eltern die Ferien in Jesolo am Strand verbrachte (allerdings nur zum Beladen meines Spielzeugautos mit Schnecken und Muscheln). Das nach Hause mitgebrachte Material gefiel allerdings meiner Mutter so gut, daß mein Vater ihr das Büchlein „Muscheln am Meer“, Hallwag-Verlag, kaufte und sie erste Bestimmungsversuche unternahm. Eigentlich von Beruf Drogist, erlernte ich die Malakologie autodidaktisch und durch Sammelfreunde. Die ersten Schnecken und Muscheln, darunter viele Exoten, wurden noch käuflich erworben, da wir noch nicht an das Selbstsammeln und Bestimmen gewöhnt waren. Mein Vater war in erster Linie Botaniker und Mineraloge und hatte mit Mollusken überhaupt nichts zu tun. Nachdem meine Mutter sich einigermaßen mit dieser Materie vertraut gemacht hatte, übernahm sie im Jahre 1972 die Molluskensammlung des Tiroler Landesmuseum's Ferdinandeum, die in ungeordnetem Zustand in Abstellräumen des Haupthauses lagerte. Diese Sammlung wurde dann in den Kellerräumen des Zeughauses untergebracht, bis sie mit den anderen Sammlungen der Hochwasserkatastrophe vom 6. August 1985 teilweise zum Opfer fiel. Seit dieser Zeit arbeiten wir beide an der Restaurierung und dem weiteren Ausbau der Sammlung, die nach mehrmaligem Übersiedeln in der Feldstraße 11a ihre neue Bleibe gefunden hat. Ab diesem Zeitpunkt habe ich in unserer Familie die Initiative übernommen, während meine Mutter zur „Handlangerin degradiert“ wurde. Während dieser Zeit haben wir viele Sammelexkursionen unternommen und anläßlich einer solchen einen Neufund für Tirol im Raume Reutte getätigt. (Nisters, H., Zur Verbreitung von Cochlostoma henricae in Österreich - ein Neufund in Reutte in Tirol (Heldia)). Über den zweiten Neufund, nämlich Campylaea illyrica (Stabile, 1864), wurde nicht berichtet, da es sich lediglich um zwei Leerschalen handelte. Neben unserer ehrenamtlichen Tätigkeit am Tiroler Landesmuseum betreuten wir einige Schulsammlungen, richteten einige kleine Sammlungen neu ein, revidierten die Sammlung Josef Geggerle am Heimatmuseum Kufstein, sowie die umfangreiche Molluskensammlung des Franziskanergymnasium's Hall in Tirol, deren Grundstock jene des Franziskanerpaters Julius Gremblich bildet, und dehnten schließlich das Betreuungsgebiet auf Museen in Südtirol und Norditalien aus. Schließlich waren wir noch Mitarbeiter an verschiedenen Projekten, wie an der „Rote Liste“ in Österreich und Südtirol und an Klaus Hellrigs Werk: „Die Tierwelt Südtirols“, das als erste Veröffentlichung des Naturmuseums Südtirols Bozen 1996 erschienen ist. Weiters wurden die wichtigen Sammlungen am Vinzentinum Brixen (u. a. coll. Leonhard Wiedemayr) und am Johanneum Dorf Tirol (coll. Florian Schrott) revidiert, der neuen Nomenklatur angeglichen und computermäßig erfaßt. Mit Wissenschaftern und Sammlern aus ganz Europa wird noch reicher Tauschkontakt und Gedankenaustausch gepflogen, für die Schnecken- und Muschelsammlung in den Naturwissenschaften des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum sogar weltweit.
Letzte Bearbeitung: 4. November 2009 Copyright FIDE |